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24.11.2017

Ausbildung kontrollieren

Besser den Stand der Ausbildung kontrollieren als die Auszubildenden

Als JAVen hattet ihr vielleicht schon mit problematischen Bewertungsbögen zu tun. Diese bewerten häufig nicht den Stand und die Qualität der Ausbildung, sondern die Auszubildenden selbst. Wir treten daher für eine Ausbildungsstandkontrolle als Alternative zu subjektiven Bewertungsbögen ein.

Ein gängiges Übel: die Bewertungsbögen für Auszubildende
Wir alle werden spätestens in der Schule mit Noten in Schubladen des Könnens und Wissens sortiert. Viel zu oft folgen diese Noten jedoch Vorurteilen, subjektiven Eindrücken und Handlungsmustern.

In der Regel werden sie dennoch hingenommen. Noten können fördern, aber auch bremsen, Wege ebnen oder versperren. Umso wichtiger ist es, zu kontrollieren, was da eigentlich benotet wird.

Pro und Kontra - Beurteilungsbögen für Auszubildende
Soll mit den Fragebögen überprüft werden, wo zum Beispiel konkret Probleme in der Ausbildung auftauchen, wo Verbesserungen notwendig sind oder welche Angebote neue und wichtige Kompetenzen vermitteln könnten, dann ist alles im grünen Bereich.

Problematisch wird es jedoch, wenn der Ausbildungsbetrieb die Bögen als Mittel zur Maßregelung einsetzt. Wenn die Bewertenden ihre persönlichen Deutungsmuster geltend machen oder wenige Situationen auf die jeweiligen Auszubildende insgesamt verallgemeinern. Oder gar die Auszubildenden untereinander vergleichen.

Mit den falschen Fragen und dem falschen Schwerpunkt können die Ausbildungskräfte den Fokus des Problems verschieben – weg von der mangelhaften Ausbildungsqualität. Hier könnt und sollt ihr als JAV eingreifen.

Wann werden Auszubildende überhaupt beurteilt?
Beurteilt werden die Auszubildenden zu allen einschneidenden Anlässen, an denen die Richtung und Geschwindigkeit der Ausbildung nachjustiert werden könnte. Das heißt zum Ende der Probezeit, beim Wechsel in eine andere Abteilung, beim Ablauf eines Beurteilungsturnus und zum Ende des Ausbildungsverhältnisses.

Schutz der Individualrechte
Die Fragebögen betreffen die individuellen Rechte der Auszubildenden. Die Speicherung der Daten aus den Befragungsbögen unterliegt dabei dem Mitbestimmungsrecht der Interessenvertretungen. Jede und jeder hat das Recht, die eigenen Dokumente einzusehen.

Die Auszubildende haben darüber hinaus Informations- und Mitwirkungsrechte zu ihren konkreten Tätigkeiten und Verantwortungsbereichen. Und sie haben das Recht auf einen zeitlich und sachlich gegliederten Ausbildungsplan. Den könnt ihr als JAV nicht nur mit durchsetzen, sondern auch kontrollieren.

Die rechtliche Grundlage findet ihr (zum Thema Ausbildungsordnung) im §5 Berufsbildungsgesetz (BBiG) und (zum Thema Ausbildungsvertragsinhalte) im §11 BBiG , äquivalent § 10 Abs. 1 KrPflG.

Mitbestimmung von JAV und BR/PR (Kollektivrecht)
§ 94 BetrVG besagt: Es gilt ein Mitbestimmungsrecht, wenn der Arbeitgeber allgemeine Beurteilungsgrundsätze aufstellt. So auch bei Beurteilungsbögen, Vordrucken und Dienstanweisungen zum Vorgehen der Beurteilung.

Das Mitbestimmungsrecht umfasst dabei die Festlegung der Beurteilungsmerkmale, Beurteilungsgrundlagen und Ausgestaltung des Beurteilungsverfahrens. Äquivalent gilt § 75 BPersVG.

Schluss mit dem Status Quo - Wir fordern die objektive Alternative: die Ausbildungsstandkontrolle (ASK)
Wir treten dafür ein, dass sich der Fokus der Beurteilung weg von der Person hin zur Ausbildungsqualität verschiebt. Die ASK orientiert sich an überprüfbaren Fakten und macht so Schluss mit der Subjektivität.

Damit die ASK greifen kann, braucht es einen individuellen, betrieblichen Ausbildungsplan. Ihr könnt ihn als JAV bzw. BR für alle Auszubildende durchsetzen, denn er ist gemäß §98 BetrVG äquivalent §75 BPersVG für alle Auszubildende garantiert.

Unter anderem enthält er die Angaben darüber,

  • wann geforderte Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt werden sollen;
  • wie diese Vermittlung erfolgt (ob in Theorie, Praxis oder als Projektarbeit);
  • wer für die Ausbildungsinhalte verantwortlich ist. Denn in die Pflicht zu nehmen sind nach dem ASK die jeweiligen Ausbildungskräften, Praxisanleitenden, das jeweilige Lehrpersonal oder die jeweils vertraglich genannten Verantwortlichen;
  • wo die Vermittlung erfolgt (z.B. in welcher Abteilung oder Lernwerkstatt).

Im Ausbildungsplan werden die allgemeinen Ziele der Ausbildung auf konkrete, kontrollierbare Ziele in kürzeren Zeitabständen unterteilt. Diese kleinen, gut verdaulichen Häppchen lassen sich bei regelmäßigen Gesprächen zwischen Auszubildenden und Ausbildungskräften gut evaluieren und gegebenenfalls anpassen.

Wie die ASK die Welt der Auszubildende zu einer besseren Welt macht
Alle in einer ASK bewerteten Kriterien und Sachverhalte sollen sich auf die Ausbildung selbst beziehen und dem Ausbildungsziel dienen.

Wir haben einige Punkte zur Orientierung festgehalten:

  • Schwierigkeiten innerhalb der Ausbildung sollen aufgedeckt werden. Beide Seiten können dann gemeinsam und auf Augenhöhe nach einer Problemlösung suchen.
  • Falls ein Ausbildungsziel nicht erreicht wurde, müssen die Gründe dafür hinterfragt werden, um ein eventuelles Problem lösen zu können. Verantwortlich dafür sind nicht allein die Auszubildenden.
  • Die ASK beurteilt nur Erreichung/Nichterreichung des Lern- oder Ausbildungsziels.
  • Zur ASK gehören persönliche Gespräche (zum Ende eines Ausbildungsabschnitts, spätestens aber nach 4-6 Wochen). Dabei werden anhand der Ergebnisse der ASK beidseitige Vereinbarungen (auch über die Bereitstellung von Lehrmitteln, Seminaren etc.) getroffen, wie nicht erreichte Lernziele zeitnah nachgeholt werden. Wichtig: Auch die Erfüllung dieser Vereinbarungen muss kontrolliert werden.
  • Die Ausbildung wird vollständiger und qualitativ hochwertiger, da alle notwendigen Ausbildungsinhalte besser und transparenter geplant und evaluiert werden können.
  • Die betriebliche Ausbildung wird für alle Beteiligten nachvollziehbar (Auszubildende, Ausbildungskräfte, Bereichsleitungen, Lehrpersonal etc.). JAV, BR oder PR können sie besser überwachen.
  • Es besteht Raum für Feedback und Selbstreflexion für alle Beteiligte.

Wie können Auszubildende von den Bewertungen profitieren? Ein möglicher Pfad der Erkenntnis für JAVen
Analysiert die Ausgangssituation – fragt die Auszubildenden, wie die Beurteilungen bisher laufen. Was ist gut, was nervt oder läuft gründlich falsch (siehe auch: JA Versammlung, Arbeitsplatzbegehung)?

Dann kommt ihr in die Wunschphase – findet mit den Auszubildenden heraus, wie ein perfektes Verfahren aussehen könnte. Entwickelt konkrete Forderungen und plant Aktionen – macht eure Durchsetzungskraft als JAV spürbar!

Als JAV die Ausbildungsqualität verbessern. Bildet euch weiter!
JAV-Praxis 2: Ausbildung checken und verbessern nach Berufsbildungsgesetz oder für Pflegeberufe“ versorgt euch mit allem, was ihr wissen müsst, um die Lage zu verbessern:

  • Ihr könnt mit den anderen Teilnehmenden die Situation in euren Betrieben vergleichen.
  • Ihr lernt Instrumente kennen, wie ihr diese Situation analysieren könnt.
  • Ihr diskutiert, wie die Ausbildung gestaltet sein sollte.

Ihr lernt mit vielen Praxisbeispielen Prozesse kennen, mit denen ihr eure betrieblichen Probleme bearbeiten und lösen könnt. Im Seminar könnt ihr alle, auch ganz konkrete Fragen an kompetente Ansprechpersonen richten. Am Ende nehmt ihr einen genauen Handlungsplan für die nächsten Schritte in eurem Betrieb mit.

Übrigens: Ihr dürft das Seminar in jedem Fall besuchen. Es ist ein Grundlagenseminar und auf die habt ihr als JAV-Mitglied einen gesetzlichen Anspruch (gemäß § 65 Abs. 1 i.V.m. § 37 Abs. 6 BetrVG, § 62 i.V.m. § 46 Abs. 6 BPersVG, analog LPersVG).