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ver.di Jugend

Jeremy – nennt als JAV die Dinge beim Namen

"Am Anfang war der Streik..."


Jeremy (26) beginnt 2007 gerade seine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG), als dort der „historische Streik“, wie er ihn nennt, beginnt.

Zehn Tage gehen die Beschäftigten auf die Barrikaden. Sie legen den öffentlichen Verkehr in Berlin lahm. Ihre Forderung: Lohnerhöhungen.

Nach zähem Kampf werden diese schließlich erfolgreich ausgehandelt. Jeremy ist neugierig geworden. Die Ereignisse wecken sein Interesse an Mitbestimmung. Als im Folgejahr eine JAV-Wahl ansteht, lässt er sich aufstellen. Und wird prompt gewählt. Zwei Jahre später übernimmt Jeremy den JAV-Vorsitz.

Beeindruckt ist Jeremy nach wie vor von der Solidarität der Beschäftigten gegenüber den Azubis. 2005 wurden mit Einführung des Tarifvertrags im Nahverkehr auch die Übernahmeregelungen neu gestaltet. Die ältere Belegschaft machte Abstriche, um den Auszubildenden nach Ausbildungsende eine Übernahme von einem Jahr und einem Tag zu gewähren.

Jeden Tag eine neue Herausforderung

Jeremy hat inzwischen die Werkstatt gegen den Platz im Büro getauscht. Er ist Vollzeitjugendvertreter. Mit einem elf-köpfigen Gremium ist er verantwortlich für die 300 Azubis in den technisch-gewerblichen Ausbildungsberufen der BVG.

Die JAV hat in seinem Unternehmen einen hohen Stellenwert. Personalrat und Arbeitgeber binden die Jugend stark in Entscheidungsprozesse ein.

Jeremy merkt das in seinem Alltag an den Sitzungen und den vielen Absprachen, an denen er teilhat.

Neben den Dauerthemen "Übernahme" und "fehlende Krankschreibungen" steht aktuell die Haussanierung der maroden Ausbildungsstätte auf der Agenda. Jeremy holt die Meinung der Azubis zu den Renovierungsarbeiten ein. Was wollen sie? Wie soll saniert werden?

Langeweile kennt Jeremy nicht. Er organisiert den jährlichen Azubi-Sporttag, die kommende Jugend-und-Auszubildendenversammlung und besucht die verschiedenen Standorte der BVG: „Ich bin immer wieder überrascht wie abwechslungsreich meine Arbeit ist. Einen typischen oder vorhersehbaren Arbeitstag kenne ich nicht“.

Konfliktfähigkeit gewürzt mit diplomatischem Geschick 

Jeremy gefällt, dass er wirklich „vor Ort“ arbeitet. Dass er für konkrete Probleme Lösungsansätze entwickeln kann. 

Eine große Portion Konfliktfähigkeit und diplomatisches Geschick sind dabei vonnöten. Denn als Problemlöser sitzt man schnell mal zwischen den Stühlen.

Mal muss Jeremy den Arbeitgeber zur Nachsicht zu bewegen, weil ein Azubi schon wieder die Krankschreibung vergessen hat.

Ein anderes Mal ist sein offenes Ohr gefragt, weil ein Kollege mit persönlichen Problemen sich nicht auf die Arbeit konzentrieren kann.

„Ohne Leidenschaft kommt man bei den größeren und kleineren Konflikten, die es auszutragen gilt, schnell an seine Grenzen. Wenn man dann nicht weiß, warum man das tut, ist man schnell überfordert.“

Jeremy weiß ganz genau, warum er diese Arbeit macht: Sie hilft ihm über den Tellerrand zu blicken und sich und andere im Leben zu bewegen.

Als in der Silvesternacht ein Kollege anrief, um sich für Jeremys Engagement zu bedanken, war ihm klar, dass er auch bei zukünftigen Verhandlungen mit dem Arbeitgeber bei seiner Linie bleibt: „Nichts beschönigen, sondern die Dinge beim Namen nennen.“

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